Der Widerstand wird wissenschaftlich gewürdigt

Heute muss ich meiner außerordentlichen Freude Ausdruck verleihen: Einfach. Nur. Großartig! Sind die neuesten Publikationen der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg zum „Mössinger Generalstreik“:

Die letzte umfassende wissenschaftliche Arbeit zu dem Thema erschien in den 1980er Jahren. Jetzt, endlich, gibt es mit dem Heft „Materialien zum Mössinger Generalstreik“ der LPB BW eine Publikation mit aktuellem Forschungsstand zu diesem vergessenen Widerstand. Vor allem: Diese Veröffentlichung ist zum ersten Mal eine historische Auseinandersetzung.

Hefte Cover Zum ersten Mal hat auch die Geschichtswissenschaft den Wert dieses Ereignisses gewürdigt. Mehrere Studierende am Seminar für Zeitgeschichte der Uni Tübingen haben die Grundlagen für die Publikation gelegt. Die Stadtarchivarin Franziska Blum und der Museumsleiter des Mössinger Stadtmuseums Hermann Berner haben aber den Löwenanteil gestemmt – und geschrieben.

Und das kluge Vorwort von Sibylle Thelen von der LPB BW bringt es auf den Punkt:

Nicht nur in der Geschichte des Ortes, der damals etwa 4.000 Einwohner hatte, war dies ein außergewöhnliches Ereignis. Auch in der deutschen Geschichte ragt der Mössinger generalstreik heraus.

Außergewöhnlich: Es wird zum Glück nicht nur die Geschichte des Streiks selbst erzählt. Fast noch wichtiger: Die Autoren schreiben ausführlich über die schwierige Rezeptionsgeschichte des Widerstands in Mössingen und darüber hinaus.

Das lange Schweigen und die Tabuisiserung kommen auf den Tisch. Genauso wie die Kritik, die Zweifel und der Streit über den „Mössinger Generalstreik“. Das alles mit viel Quellen, historischen Dokumenten und Fotos.

Die Mössinger Kommunisten beim Roten Tag in Tübingen 1932 (Stadtmuseum Mössingen)

Die Mössinger Kommunisten beim Roten Tag in Tübingen 1932 (Stadtmuseum Mössingen)

Optimal für Schulen. Und hoffentlich auch für viele andere Menschen. Deshalb wurde gleichzeitig auch ein neues Online-Portal erarbeitet: Auf mössinger-generalstreik.de kann man sofort zu einem virtuellen Streikrundgang starten. Und findet eine umfassende Aufarbeitung des Widerstands auch im Netz.

Das Thema ist (wieder) da! (Hoffentlich, um da zu bleiben.)

Und natürlich freue ich mich besonders über das abschließende Kapitel im Heft: „Mössingen heute – Produktive Annäherungen an die Geschichte“. Zu den gehören vor allem das Theaterstück „Ein Dorf im Widerstand“ vom Theater Lindenhof. Und am Ende eben auch dieser Dokumentarfilm: „Widerstand ist Pflicht“.